„Haben Sie in den letzten Wochen eine Nachricht geteilt oder bekommen, bei der Sie sich nicht sicher waren, ob sie stimmt?“, fragte Medienpädagoge Hannes Spicker von „Menschen und Medien e.V.“ beim Digitalcafé am 26. März das Publikum im Eichenzeller Smart City Forum.
Angesichts der vielen gehobenen Hände zeigte er sich nicht überrascht: „Fake News, also absichtlich falsche oder stark verzerrte Medieninhalte, gab es schon immer, man erinnere sich an die berühmte ‚Zeitungsente‘“ sagte der Referent des Vortragsthemas „Fake News erkennen“, zu dem Smart City Eichenzell, antonius: gemeinsam Mensch und Leben und Arbeiten in Eichenzell e.V. eingeladen hatten. „Ihre Verbreitung, vor allem in den sozialen Medien, hat in den letzten Jahren allerdings massiv zugenommen.“ Seit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA im Jahr 2016 habe der Begriff zudem schlagartig einen großen Bekanntheitsgrad erlangt – auch, weil Trump ihn kritisierende Berichte so bezeichnete und ihn dadurch politisch auflud. Spicker plädierte daher dafür, eher von „Desinformation“ zu sprechen.

Welche Formen von Desinformation gibt es?
- Clickbait*: reißerische, irreführende Überschriften
- Manipulierte Bilder und Videos liefern echten Kontext, aber falsche Aussagen
- Deep Fakes*: KI-generierte Bilder und Videos
- Satire, wenn sie ohne den Kontext geteilt wird
- Selektive Fakten: Verzerrung durch Weglassen von Informationen
Ist jede Falschinformation gleich eine „Fake News“?
„Nein“, betonte Spicker. Satiren, Gerüchte sowie fehlerhafter Journalismus produzierten zwar auch falsche Informationen, es fehle aber die Täuschungsabsicht.
Welchen Zweck haben Fake News?
„Mit Fake News wollen die verbreitenden Personen die öffentliche Meinung gezielt manipulieren“, so Spicker. Und dies zu unterschiedlichen Zwecken: So sollen sensationsheischende erfundene Geschichten Internetnutzende zum Aufrufen von Webseiten motivieren, die Werbeeinnahmen erzeugen (das bereits erwähnte Clickbaiting*). Auch zur politischen Einflussnahme, gezielten Zerstörung von Vertrauen gegenüber Medien und Institutionen oder als Bestätigung der eigenen Weltsicht würden Falschinformationen gestreut. Manchmal würden sie auch als Scherz verbreitet, ohne sich der potenziell ernsthaften Folgen bewusst zu sein.

Warum glauben wir (immer wieder gerne) Falsches?
„Das hat vielfältige Gründe, technische und psychologische“, so Spicker. „Wenn wir einer Person, unseren Freunden oder einem Medienkanal vertrauen, dann sind wir eher bereit, eine durch sie verbreitete Falschmeldung zu glauben.“ Dazu komme, dass durch die vielfältigen Verbreitungsmechanismen oft gar nicht klar sei, woher die Desinformation ursprünglich stamme. „Haben schon viele Menschen und Medien die Nachricht übernommen, steigt auch die Glaubwürdigkeit.“ Viele Plattformen seien zudem nicht an Aufklärung interessiert, da Fake News zahlreiche Nutzende anlockten. Richtigstellungen verbreiteten sich viel langsamer als die eigentlichen Fake News und erreichten uns häufig nicht.
„Soziale Netzwerke verwenden Algorithmen, um Inhalte anzubieten, die die Aufmerksamkeit der Nutzenden fesseln. Diese Algorithmen bevorzugen zugespitzte und dramatische Inhalte, die wütend oder betroffen machen“, warnte Spicker. „Wer emotional ist, denkt meist weniger nach. Wenn eine Information dann auch noch unsere bisherigen Überzeugungen bestätigt, und sei es nur zum Teil, sind wir besonders geneigt, sie ungeprüft anzunehmen – frei nach dem Motto „Das habe ich dem ja schon immer zugetraut!“. Dadurch lande man nach und nach allerdings in Filterblasen und Echokammern, in denen man immer wieder ähnliche, einseitige Informationen erhalte.
Wie erkennt man Desinformation?
Beim Lesen von Nachrichten solle man sich Spicker zufolge grundsätzlich folgende Fragen stellen:
- Wer steckt hinter einer Information? („Wie seriös ist das Medium, in dem Sie die Information finden?“)
- Woher stammt die Information? („Woher stammt die Information ursprünglich?“)
- Wird stark emotionalisiert? („Liefert ein Beitrag sachliche Informationen oder geht es um die Erzeugung von emotionalen Reaktionen? Ist die Nachricht zu gut, um wahr zu sein? Wenn Sie beim Lesen emotional werden, sollte Sie das skeptisch machen!“)
- Gibt es andere seriöse Quellen?
Die Authentizität und den richtigen Kontext von Bildern könne man beispielsweise über die Rückwärtssuche bei Google prüfen. Für Faktenchecks könne man gemeinnützige Einrichtungen wie „Mimikama“ und „Correctiv“ hinzuziehen. Am wichtigsten sei aber: „Sprechen Sie im Freundes- und Bekanntenkreis über Ihre Mediennutzung. Tauschen Sie sich aus und holen Sie sich eine zweite Meinung – Sie sind nicht der einzige Mensch, der unsicher ist oder auf Fake News hereinfällt. Medienbildung ist eine gemeinschaftliche Aufgabe.“

*Glossar
Clickbait [gesprochen „klickbäit“]: der Einsatz von reißerischen und irreführenden Überschriften im Internet, um Nutzende auf Webseiten zu locken und dadurch Werbeeinnahmen zu generieren.
Deep Fake [gesprochen „diep fäik“]: ein Kofferwort aus den Begriffen „Deep Learning“ und „Fake“. Realistisch wirkende Medieninhalte, die durch Künstliche Intelligenz erzeugt oder verändert wurden.
Die Digitalcafé-Termine für 2026 zum Vormerken:
11.06., 13.08., 03.09., 01.10., 05.11., 03.12.