„Was wiegt dieser E-Book-Reader wohl, 150 Gramm?“, fragte Laura Albrecht (antonius) am 3. September beim Digitalcafé im Smart City Forum und hielt ein schlankes Gerät in der Größe eines kleinen Tablets in die Höhe. „Auf diesen Reader passen Tausende von elektronischen Büchern. Stellen Sie sich im Vergleich dazu einmal vor, wie viele echte Bücher in Ihren Urlaubskoffer passen.“ Weniger Schlepperei also – und eventuell auch weniger Konflikte? „Mein Mann hat mir auch so einen Reader geschenkt“, gestand eine Besucherin schmunzelnd. „Unser Keller ist ihm zu voll mit meinen Büchern!“

Unter dem Titel „Lese-Apps“ ging es bei der Veranstaltung von Smart City Eichenzell, antonius und Leben und Arbeiten in Eichenzell e.V. um Vor- und Nachteile von Buch-Apps sowie die Onleihe der hessischen Bibliotheken.
Lese-Apps bieten viele Vorteile
Unter Lese-Apps versteht man digitale Anwendungen, mit denen man Bücher oder Hörbücher lesen, hören und verwalten kann. Diese sind auf verschiedenen Endgeräten wie Smartphones, Tablets am PC oder über E-Book-Reader verfügbar. Daneben bieten sie Zusatzfunktionen: Neben dem Zugriff auf E-Bücher kann man beispielsweise je nach Anwendung seinen Lesefortschritt verfolgen, Leselisten und Notizen erstellen.
„Lese-Apps wie Readfy und Galatea oder Plattformen wie LovelyBooks haben zahlreiche Vorteile, die das klassische Buch nicht bietet“, zählte Anne Jana, Projektmanagerin bei Smart City Eichenzell, auf. So könne man orts- und zeitabhängig lesen, habe Zugriff auf mehrere Tausend Bücher aller möglichen Genres und spare zudem (Pack-)Gewicht. Oft seien Schriftgröße oder Kontrast anpassbar, es gebe eine Vorlesefunktion und Leseempfehlungen auf Basis bereits gelesener Bücher. Ein großes Plus sei die Möglichkeit, sich mit anderen Lesenden oder sogar Autoren in einer Community auszutauschen. Und nicht zuletzt werde Papier eingespart – andererseits müsse man die Endgeräte immer wieder laden und verbrauche Strom.
Werbung kann das Lesevergnügen trüben
Die als Beispiel vorgestellte App „Readfy“ eines Kölner Unternehmens punkte mit über 100.000 E-Books für Tablet oder Smartphone, so Anne Jana. Nach der erforderlichen Registrierung könne man sich Bücher aus zahlreichen Genres herunterladen und auch offline nutzen, Lesezeichen setzen, sich im Buch Notizen machen, Rezensionen schreiben oder im Nachtmodus lesen.
In der kostenlosen Version müsse man allerdings Werbung ertragen – und das nicht zu knapp. „Werbung war bei meinem Selbstversuch leider nach jeder sechsten Seite geschaltet“, sagte Anne Jana. Ihr seien Onlinespiele angezeigt worden, die sich kaum hätten wegklicken lassen. Die kostenlose Variante sei daher nicht zu empfehlen. Sie habe aber Verständnis dafür, dass Plattformen und deren Autoren an dem Angebot verdienen wollten. Sie rate Menschen, die sich für digitale Leseformen interessierten, verschiedene Apps zu testen und die Auswahl dem eigenen Bücherkonsum anzupassen: „Für Vielleser und solche, die sich gerne mit anderen bibliophilen Menschen austauschen wollen, lohnen sich Premium-Abonnements von Bücher-Apps auf jeden Fall.“ Übrigens: Zahlreiche deutschsprachige Klassiker gibt es kostenlos über die Plattformen „Projekt Gutenberg“, Google Play oder Amazon (allerdings nur für den unternehmenseigenen E-Reader Kindle).

Jederzeit kostenloser Zugang zu Büchern: die Onleihe
Als kostenlose Alternative zu Lese-Apps stellten Andrea Tams, Leiterin der Gemeindebücherei Eichenzell, und die ehrenamtliche Digitallotsin Claudia Hartung die Onleihe der hessischen Bibliotheken vor. Es handelt sich um eine Online-Bibliothek, in der man digitale Medien wie Bücher, Zeitschriften, Tageszeitungen und Hörbücher ausleihen und herunterladen kann.
„2010 ist der OnleiheVerbundHessen mit 17 Büchereien gestartet, gefördert wird sie vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst“, erläuterte Andrea Tams den Hintergrund. „Seitdem schließen sich immer mehr Bibliotheken an. So ergibt sich ein riesiger Synergieeffekt, sodass Nutzer heute auf mehr als 200.000 digitale Werke zugreifen können.“ Auch die Gemeindebücherei Eichenzell sei seit kurzem über das Südwestforum Fulda angeschlossen. „Daher können wir nun allen Lesebegeisterten aus Eichenzell während der Öffnungszeiten – dienstags von 18:00-19:00 Uhr und donnerstags von 16:00-18:00 Uhr – den Zugang zur Onleihe freischalten“. Benötigt würden dafür ein gültiger Leseausweis, ein Internet-Zugang zum Herunterladen von digitalen Büchern und Hörbüchern sowie ein passendes Endgerät zum Abspielen der Werke, beispielsweise einen E-Reader (funktioniert auf allen Readern außer Kindle), ein Tablet oder ein Smartphone. Der Onleihe-Zugang über das Südwestforum Fulda sei für zwei Jahre gültig und könne anschließend verlängert werden.
Claudia Hartung, selbst begeisterte Nutzerin des Onleihe-Verbunds, erklärte, wie man sich nach der Registrierung bei der Onleihe anmeldet, Bücher und Hörbücher sucht und ausleiht, Bücher vormerkt und Merkzettel anlegt. „Ausgeliehene Titel kosten während der Leihzeit nichts zusätzlich“, so Hartung. Welche Titel vorlägen, wie lange man darauf warten müsse sowie die Leihbedingungen hingen von den einzelnen Bibliotheken ab. Aber: „Mahngebühren muss niemand fürchten: Nach Ablauf der Frist sind die Medien automatisch nicht mehr verfügbar.“

„Die Onleihe ergänzt das Angebot der Büchereien, ersetzt aber nicht die persönliche Beratung oder die Begegnung in der Bücherei vor Ort“, betonte Tams zum Abschluss und stieß auf Zustimmung aus dem Publikum. Einige Besucher äußerten sich skeptisch gegenüber den digitalen Angeboten. „Ich sammele alle Arten von Büchern und möchte sie um mich haben“, erklärte ein Mann. Andere Besucher wollten auf die Haptik, den Geruch, das Seitenrascheln und die Gemütlichkeit nicht verzichten. Vorteile erkannten sie jedoch darin, bei Reisen Gepäck zu sparen, sich unterwegs jederzeit neuen Lesestoff besorgen zu können oder für Menschen, die nicht mobil seien.
*Glossar
E-Book [gesprochen „I-buk“]: ein digitales Buch. Es ist beispielsweise auf dem Bildschirm eines Computers oder Smartphones lesbar.
E-Book-Reader [gesprochen „I-buk-rieder]: ein spezielles Gerät, auf dem man digitale Bücher lesen kann. Es gibt verschiedene Größen und Hersteller. Das Gerät sieht aus wie ein kleines Tablet.
Die Digitalcafé-Termine für 2026 zum Vormerken:
05.11., 03.12.
