Von den Besten der Besten lernen – das war der Anlass der spannenden, dreitägigen Expedition „Age & City 2021“ in Helsinki, an der Bürgermeister Johannes Rothmund und Smart City Projektleiter Thorsten Sturm Ende September teilnahmen. Unter dem Themenschwerpunkt „Smart Age – Technologien für die alternde Stadt“ lud die Körber-Stiftung ausgewählte Gäste ein, hautnah zu erleben, wie die finnische Hauptstadt auf den demografischen Wandel reagiert. Helsinki beschäftigt sich nicht ohne Grund mit dem Thema smartes Altern („Smart Aging“): Finnland ist das am schnellsten alternde EU-Land und sieht sich zugleich mit Problemen wie Fachkräftemangel und wachsenden Kosten für Gesundheits-und Sozialleistungen konfrontiert. Es braucht folglich innovative Lösungen – vor allem auf kommunaler Ebene.

Finnlands sechs größte Städte und eine gemeinsame Strategie

Doch wie geht Helsinki in Sachen smarte Inklusion älterer Menschen vor? Den Rahmen bildet die sogenannte 6-Aika-Strategie, an der die sechs größten Städte Finnlands gemeinsam arbeiten. Die von der EU finanzierte Strategie basiert vor allem auf der Zusammenarbeit mit verschiedenen lokalen Akteurspartnern: durch die Kooperationen sollen nicht nur Innovationsräume geschaffen, sondern auch fachliches Know-How und Erfahrungen ausgetauscht werden. Darüber hinaus bieten die Städte Unternehmen eine offene Lernumgebung, auf der sie ihre kommerziellen Lösungen an realen Nutzern unter authentischen Rahmenbedingungen testen können. Das hat den Vorteil, dass die (Pilot)-projekte langfristig weniger anpassungsbedürftiger sind, da die Anliegen und Rückmeldungen der Bevölkerung früh identifiziert und berücksichtigt werden können.

„Daher ist auch für Eichenzell das Ziel, Ideen aus verschiedenen Bürgerbeteiligungsformaten zu identifizieren und zu konkretisieren.“, erklärt Bürgermeister Johannes Rothmund. „Lösungsansätze können dann zunächst in kleinem Rahmen – als Pilotprojekt – entwickelt und dann schnell in die Praxis umgesetzt werden.“

Neben der 6-Aika-Strategie hat Helsinki selbst bereits 2017 die sogenannte „Helsinki City Strategy“ verabschiedet mit dem Ziel, die „most functional city in the world“ zu werden. Die Strategie ist zwar im August 2021 ausgelaufen, hat aber verschiedene Pilotprojekte erfolgreich hervorgebracht, die sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der Expedition vor Ort ansehen durften.

Die digitale Zukunft Helsinkis: Haben Sie schon von Kalasatama gehört?

Zu den beeindruckenden Stationen der Expedition zählte sicherlich der Besuch des innovativen Stadtteils Helsinkis schlechthin: Kalasatama (auf Deutsch Fischhafen). Eine Errungenschaft des Viertels ist beispielsweise das Kalasatama Health & Wellbeing Centre, das digitale Gesundheitsdienste und neue Behandlungsmethoden gemeinsam mit den Anwohnerinnen und Anwohnern erprobt. Bedürfnisorientierter Wohnraum für ältere Menschen bietet zum Beispiel ein Gemeinschaftshaus, dessen Räume mit den Bewohner:innen zusammen konzipiert wurden und wo regelmäßig Produkt-und Dienstleistungsprototypen im Alltag getestet werden.

Eine andere Station der Expedition war die Oodi Library. Eine Bibliothek, die ebenfalls gemeinsam mit den Stadtbewohner:innen im Rahmen von Workshops mitgestaltet wurde. Die Bibliothek verfügt über drei Etagen, die den Besucher:innen eine große Vielfalt anbietet: ob Kino, Café, Arbeits-und Kreativräume, Leseoasen oder die Nutzung von 3D-Druckern.

„Schnelligkeit ist bei allen Innovationen das Schlüsselwort. Doch es darf nicht vergessen werden, dass die Entwicklungsprozesse bei neuen Ideen immer dynamisch sind. Gewählte Lösungsansätze müssen immer wieder kritisch reflektiert und angepasst werden“, erklärt Smart City-Projektleiter Thorsten Sturm. „Das kann dazu führen, dass am Ende eine ganz andere Lösung zum Ziel führt.“ Damit liegt die Hauptaufgabe der Gemeinde Eichenzell in der Identifikation von künftigen Problemlagen, um den Boden für Innovationen zu schaffen.

In nur wenigen Tagen gab es viele Impulse aus der finnischen Hauptstadt – nur einzelne wurden an dieser Stelle angerissen. Klar ist jedoch, dass Helsinki bereits viele innovative Lösungen ausprobiert und dabei die ältere Bevölkerung nicht vergisst, sondern integriert. Ein wichtiger Aspekt, der auch Smart City Eichenzell am Herzen liegt und durch verschiedene Projekte abgedeckt wird.

Körber Demografie-Symposium 2021

Passend zum Thema smartes Altern nahmen Projektleiter Thorsten Sturm und Bürgermeister Johannes Rothmund zudem am Körber Demografie-Symposium am 3. und 4. November teil. Unter dem Titel „Digitale Chancen für die altersfreundliche Stadt“ fanden unter anderem ein Vortrag zur Digitalisierung im Bereich des höheren Lebensalters statt. Zudem wurde eine Studie über smarte Technologien sowie spannende Impulse aus Helsinki vorgestellt.

Weitere Infos unter: https://www.koerber-stiftung.de/helsinki-innovationsschub-fuer-gutes-alter-2460