
Als Sticker, im Film, als Schokolade, auf Kleidung, auf Golfbällen oder sogar als Ganzkörpertätowierung: Emojis – Bildschriftzeichen wie Smileys*, Flaggen, Tiere, Nahrungsmittel oder Alltagsgegenstände – haben längst ihren Weg in viele Bereiche unseres Alltags gefunden. Ihren „Hauptwohnort“ haben sie allerdings in elektronischen Nachrichten, insbesondere in SMS und Messengern. Ihre Aufgabe ist es, emotionale Hinweise zu geben, die in einem Text sonst nur durch viele Wörter zu vermitteln wären, beispielsweise ob etwas ironisch gemeint ist. Obwohl viele Menschen sie täglich benutzen, dürften die wenigsten wissen, wie sie entstanden sind. Grund genug für das Team von Smart City Eichenzell, antonius: gemeinsam Mensch und Leben und Arbeiten in Eichenzell e.V., sich beim Eichenzeller Digitalcafé am 18. Februar im Smart City Forum näher damit auseinanderzusetzen.
Der älteste Smiley ist 4500 Jahre alt
„Die Geschichte der Emojis reicht bis zu den frühen Formen der Schrift zurück“, erläuterte Anne Jana von Smart City Eichenzell. Bevor die Menschen zu schreiben begonnen hätten, hätten sie zunächst mit Bildern gearbeitet. Diese Prägung zeige sich auch in den frühesten Schriften: der Keilschrift der Sumerer, die um das späte 4. Jahrtausend v. Chr. entstand, der ägyptischen Hieroglyphenschrift, der chinesischen Schriftzeichen oder der Maya-Schrift. „Der bislang älteste Smiley wurde übrigens auf einem Trinkgefäß aus der Bronzezeit gefunden, das in Südfrankreich ausgegraben wurde. Es zeigt einen Halbkreis mit zwei Punkten, der an ein lächelndes Gesicht erinnert.“
Die moderne Geschichte der Emojis begann 1963, als der US-amerikanische Grafiker Harvey Ball für eine Versicherungsgesellschaft ein Symbol zur Steigerung der Arbeitsmoral entwerfen sollte. Ergebnis war der weltweit bekannte „Smiley“ mit zwei Augenpunkten und einer geschwungenen Linie als Mund in einem gelben Kreis. 1982 entwickelte der Informatiker Scott Fahlmann an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh die sogenannten „Emoticons“*. Sie bestanden aus ASCII-Zeichen* und stellten um 90 Grad gedrehte Gesichter dar, beispielsweise das bekannte „:-)“. Vier Jahre später erfand der Japaner Yasushi Wakabayashi die „Kaomoji“. Diese Gesichter – ein Beispiel dafür ist „^_^“ – mussten nicht gedreht werden und verbreiteten sich parallel zu Fahlmanns Emoticons.

Pager als Vehikel für die ersten Emojis
„Abseits der Informatiker gab es eine weitere Gruppe, die wichtig für die Entwicklung der Emojis wurde – Teenager“, fuhr Anne Jana fort. In den 1990ern seien Pager* bei japanischen Heranwachsenden sehr populär geworden, da Mobiltelefone für viele noch unerschwinglich gewesen seien. Die kleinen Piepser, die bis dahin vor allem von Krankenhauspersonal und Unternehmern genutzt worden seien – in den USA pikanterweise auch von Drogendealern –, seien für Jugendliche interessant geworden, als ein Bildschirm hinzukam, auf dem Nummernfolgen angezeigt werden konnten. Dies sei meist die Telefonnummer des Anrufenden gewesen, habe aber auch für einen ganz individuellen Code genutzt werden können.
„Die Jugendlichen nutzten Ziffernfolgen wie drei Neunen. Im Japanischen ‚san kyu‘ ausgesprochen, stand die Folge für das englische Dankeschön ‚thank you‘. „888“, im Japanischen „ha-ha-ha“ ausgesprochen, sollte Erheiterung ausdrücken“, so Jana. Eine weitere Variante sei die Nutzung von Ziffern gewesen, die Buchstaben ergaben, wenn man den Pager auf den Kopf stellte. „Denken Sie sich die Folge 07734 in den eckigen Ziffern eines Radioweckers – wenn Sie ihn umdrehen, ergibt sich das englische ‚hello‘, also ‚hallo‘.“
Die Nachfrage nach Pagern sei 1995 noch weiter gestiegen, als das japanische Unternehmen Docomo einen Pager auf den Markt gebracht habe, auf dem durch die Eingabe der Ziffern 88 ein kleines Herz erschienen sei.
Shigetaka Kurita: der Erfinder der Emojis?
Ungefähr zur gleichen Zeit erhielt der Ingenieur Shigetaka Kurita bei Docomo den Auftrag, den ersten kabellosen Internetdienst für deren Mobiltelefone zu entwickeln. Dabei wollte er nicht nur rein textbasierte Anwendungen anbieten, sondern die Kommunikation auch durch Bilder bereichern. „Die Inspiration dafür fand er unter anderem in der japanischen Alltagskultur“, erklärte Anne Jana. In den sogenannten Mangas, japanischen Comics, würden seit jeher Bildsymbole verwendet, um Gefühle und Stimmungen darzustellen: So stehe ein übergroßer Schweißtropfen im Gesicht einer Figur für Besorgnis oder Verwirrung, gerötete Wangen symbolisierten Verlegenheit oder Zuneigung, eine pochende Vene auf der Stirn Wut.
Ein weiterer Einfluss sei die Bildsprache gewesen, die im Rahmen der Olympischen Spiele 1964 in Tokio entwickelt worden sei. Da die Spiele erstmals in einem Land stattfanden, das eine reine Bildsprache nutzte, sollten zahlreiche leicht verständliche Piktogramme den internationalen Gästen die Orientierung erleichtern. „Diese visuellen Darstellungen zeigten, wie effektiv Bilder sprachliche Barrieren überwinden können – ein Gedanke, der auch Kuritas Arbeit maßgeblich prägte“, so Jana. Kurita habe in der Folge 176 einfarbige Emojis entwickelt, die Gesichter, Wetterphasen, Herzen und viele andere Symbole darstellten, die sich schnell verbreiteten. „Die Zeichen waren noch sehr schlicht und pixelig, also sehr grob“, so Jana weiter. „Die Firma Apple entwickelte sie in den 2000ern zu den glatten, detailreichen Zeichen weiter, die wir heute kennen. Gemeinsam mit Google trug das Unternehmen dazu bei, dass Emojis mehr und mehr in den Mainstream gelangten und sich weltweit verbreiteten.“ Heute gebe es mehr als 3.000 verschiedene Emojis, die von dem sogenannten „Unicode-Konsortium“* entwickelt und überwacht würden.

Ist Shigetaka Kurita denn nun der Erfinder der Emojis? „Er gilt zwar oft als der Urheber“, bestätigte Jana, nicht zuletzt seit das Museum of Modern Art in New York 2016 Kuritas Original-Emojis erworben habe. Genau genommen habe sich der Ingenieur jedoch auf Emoji-Vorläufer und kulturelle Traditionen berufen, die es bereits lange vor seiner Zeit gegeben habe. Ihm klar zugeordnet werden könne jedoch der Name, der aus „E“ (japanisch für „Bild“) und „Moji“ („Schriftzeichen“) bestehe.
Emojis als politische und Markenbotschafter
„Emojis sind nicht nur bunt und niedlich, teilweise stecken handfeste politische oder wirtschaftliche Interessen dahinter“, betonte Anne Jana einen weiteren Aspekt. So gebe es inzwischen Emojis, die verschiedene Haut- und Haarfarben, Geschlechter, Behinderungen sowie nicht stereotype Berufe und Symbole aus unterschiedlichen Religionen abbildeten. „Diese Entwicklungen mussten teilweise hart erkämpft werden, weil sich das Unicode-Konsortium weigerte, sie umzusetzen“. So seien Frauen anfangs beispielsweise nur als tanzend, sich die Nägel und die Haare schneidend abgebildet worden, was die Lebenswelt von Frauen nur unzureichend abgebildet habe. Auch Emojis für Menschen im Rollstuhl, mit Hör- und Sehbeeinträchtigung sowie Prothesen seien erst vor wenigen Jahren hinzugekommen.
Schon früh hätten Unternehmen Emojis als Marketinginstrumente entdeckt. So sei es dem Einfluss der US-amerikanischen Fastfoodkette „Taco Bell“ geschuldet, dass sich unter den Lebensmittel-Emojis nun das traditionelle mexikanische Tortillagericht befinde. „Auch das britische Unternehmen Durex hat versucht, eigene Emojis unterzubringen – allerdings vergeblich“, fügte Jana augenzwinkernd hinzu. „Kondome befinden sich also bis heute nicht im Emoji-Repertoire, übrigens genauso wenig wie Unternehmensmarkenzeichen.“

Missverständliche Emojis und Missbrauchspotenziale
Einige Emojis würden vielfach im Kontext von „Sexting“* genutzt, wie etwa die Aubergine, die Banane oder der Pfirsich als Stellvertreterbilder für Genitalien. Und: „Wie viele Kommunikationsmittel können auch Emojis diskriminierend eingesetzt werden“, bedauerte Jana. „Im entsprechenden Kontext können viele Emojis zur Abwertung, Beleidigung oder Bedrohung eingesetzt werden – was übrigens durchaus rechtliche Konsequenzen haben kann.“
Nicht zuletzt würden einige Emojis in verschiedenen Kulturen unterschiedlich interpretiert – etwa das Symbol der betenden Hände, das in Japan „Danke“ bedeute, in den USA dagegen auch als Abklatschgeste „High Five“ gelte, oder der Kothaufen, der in Japan neben der gelegentlich unappetitlichen Bedeutung auch „Glück“ symbolisiere. Das vielbenutzte „Daumen hoch“ sei in einigen Kulturen eine vulgäre Geste. Daher gelte: „Wenn Sie mit Menschen aus anderen Kulturkreisen Kontakt haben, empfiehlt es sich, diese Emojis vor der Nutzung auf mögliche missverständliche Bedeutungen zu überprüfen.“
Zum Abschluss ließ Marielene Schmidt-Nohl, Inklusionsnetzwerkerin bei antonius, das Publikum aus Emojis gebildete Redewendungen erraten und gab Kurioses aus der Emojiwelt zum Besten. So wurde 2009 der Klassiker „Moby Dick“ in Emojis übersetzt und 2015 erklärte das „Oxford English Dictionary“, das umfangreichste Wörterbuch der englischen Sprache, das Emoji „FACE WITH TEARS OF JOY“ (Gesicht mit Freudentränen) zum Wort des Jahres.
*Glossar
Smiley [gesprochen „Smaili“]: die grafische Darstellung eines Gesichtsausdrucks, meist mit einem Kreis, zwei Punkten als Augen und einem gebogenen Strich als Mund. Der Begriff stammt vom englischen „to smile“ (= lächeln).
Emoticon: ein Kofferwort aus „Emotion“ (engl. für „Gefühl“) und „Icon“ (Abbild, Symbol).
ASCII: Der American Standard Code for Information Interchange (= Amerikanischer Standardcode für Informationsaustausch) umfasst unter anderem das lateinische Alphabet in Groß- und Kleinschreibung, die zehn indisch-arabischen Ziffern sowie einige Interpunktionszeichen und Sonderzeichen – in etwa also den Zeichenvorrat einer Tastatur für die englische Sprache.
Pager [gesprochen „päidscher“]: ein kleiner, tragbarer Funkempfänger, der zur Übermittlung kurzer Nachrichten oder zur Alarmierung von Personen dient. Die Nachrichten werden auf einem kleinen Bildschirm angezeigt.
Unicode-Konsortium: eine 1991 gegründete gemeinnützige Organisation, die den Unicode-Standard entwickelt und fördert. Dieser legt die Darstellung von Text in modernen Softwareprodukten und -standards fest und ermöglicht die korrekte Anzeige und Verarbeitung von Text in verschiedenen Sprachen und Schriftsystemen. Zu den Mitgliedern des Konsortiums gehören aktuell große Softwareunternehmen wie Adobe, Apple, Microsoft, Google, Meta.
Sexting: Kofferwort aus „Sex“ und „Texting“, bezeichnet das Versenden und Empfangen von digitalen erotischen Nachrichten, Fotos oder Videos
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