Wenn ein Teil des Lebens verloren geht: Warum eine regelmäßige Datensicherung so wichtig ist

„Was meinen Sie, braucht man ein Backup*?“, fragte Michael Werthmüller von der VHS Landkreis Fulda beim Digitalcafé am 30. April das Publikum. Beim Schwerpunkt „Daten speichern“, zu dem die Organisatorinnen der Vortragsreihe von Smart City Eichenzell, antonius: gemeinsam Mensch und Leben und Arbeiten in Eichenzell e.V. ins Smart City Forum eingeladen hatten, zeigte sich einmal mehr, dass die Frage „Wie speichere und sichere ich meine Daten?“ für viele Menschen hochrelevant ist.

Wie wichtig in diesem Zusammenhang tatsächlich eine regelmäßige Sicherung seiner Daten ist, demonstrierte Werthmüller anhand von Bildern eindrucksvoll zerstörter Smartphones – verschmort, heruntergefallen, mit zersplittertem Display und Wasserschäden. „Sieht schlimm aus, muss aber außer den Kosten für ein neues Smartphone kein Drama sein“, beruhigte er. „Das gilt auch, wenn Sie es verlieren oder gestohlen bekommen sollten und sich ein neues Smartphone einrichten müssen. Aber nur, wenn Sie Ihre Daten, Fotos und Gesprächsverläufe gesichert haben, sonst ist schnell ein Teil Ihres Lebens weg!“ Gleiches greife, wenn man seine PIN vergessen habe – „der Todesstoß für jedes Handy, eine PIN kann nirgends ausgelesen werden!“ – und sein Smartphone nur noch in den Ursprungszustand zurückversetzen könne.

Michael Werthmüller rief zum Einrichten von automatischen Backups auf.

Was bei einem Backup gesichert wird

Sowohl die neueren iOs (Apple)- als auch Android-Geräte sicherten Daten automatisch in einer Cloud. Dabei würden die Systemkonfiguration*, Apps, Passwörter, Kontakte, Kalender, Notizen sowie E-Mail-Kontakte, Browserdaten und Anruflisten in regelmäßigen Abständen gespeichert. Voraussetzung: Das WLAN sei eingeschaltet. „Viele Menschen schalten das Smartphone aus, wenn sie ins Bett gehen“, sagte Werthmüller. „Das mag sinnvoll erscheinen, weil man das Gerät im Schlaf ja nicht braucht, allerdings finden nachts üblicherweise die automatischen Backups statt – anders als bei Updates meldet Ihnen Ihr Smartphone am nächsten Morgen leider nicht, dass es keine Datensicherung durchführen konnte.“ Seine Empfehlung: Das Smartphone abends eingeschaltet und am Ladekabel lassen.

„Fällt Ihnen auf, was in der Liste der automatisch gespeicherten Daten fehlt?“, wollte Werthmüller wissen. „Meine Fotos!“, rief ein Gast verblüfft. „Tatsächlich werden Ihre Fotos und Videos nicht automatisch gespeichert, dies müssen Sie manuell einstellen“, erklärte Werthmüller. „Dabei sollten sie wissen, dass nur die Systemdaten ‚schlank und klein‘ sind, Fotos benötigen gleich viel mehr Speicherplatz.“ Dafür biete Apple aktuell eine kostenlose Speicherkapazität von 5 GB an, Android 15 GB – „nicht viel für meine 22.000 Fotos“, meldete sich ein Mann nachdenklich zu Wort. Werthmüller, der auch als Fotograf arbeitet, rief seine Zuhörer auf, konsequent Bilder zu sortieren und zu löschen. „Sie brauchen nicht zehn Bilder ein- und derselben Blume“, mahnte er. Benötige man dennoch mehr Speicherplatz, könne man bei den Anbietern Kapazitäten hinzukaufen.

Messenger müssen manuell gesichert werden

Auch Messenger würden nicht automatisch gespeichert. „Ob Sie WhatsApp, Signal oder Threema nutzen: Bei jedem Messengerdienst können Sie in dessen Einstellungen einzeln angeben, ob und in welchen Zeiträumen die Nachrichten gespeichert werden sollen“, so der Referent. „Nur wenn Sie die nötigen Häkchen gesetzt haben, greift Ihr Messenger auf Ihre aktuellen Nachrichtenstände zurück, wenn Sie beispielsweise ein Handy neu einrichten und die App erneut herunterladen.“

„Ich fühle mich nicht wohl dabei, meine Fotos in eine Cloud hochzuladen“, meinte eine Frau und fragte nach Alternativen. „Die Cloud ist eine sehr einfache Lösung, aber nicht zu einhundert Prozent sicher“, bestätigte Werthmüller. So seien sie zwar in der Regel gut geschützt, aber eben nicht völlig gefeit gegen professionelle Hackerangriffe. Auch seien die Nutzenden abhängig vom Anbieter des Cloud-Speichers und könnten nicht kontrollieren, was mit ihren Daten geschehe. Daher empfehle er stets zu prüfen, in welchen Ländern die Cloudanbieter ihre Server stehen hätten, denn davon hinge auch der Umgang mit dem Datenschutz ab. Google beziehungsweise der dahintersteckende Konzern Alphabet sei bekanntermaßen eine Datenkrake. Andererseits biete das Unternehmen seinen Kunden den Vorteil, dass diese sich auf jedem Rechner weltweit anmelden und auf ihre Daten zugreifen könnten.

Mit physischen Speichermedien wie USB-Sticks und externen Festplatten oder eingebauten SSD*-Festplatten habe man weitaus mehr Kontrolle über seine Daten, allerdings könnten Sticks und externe Festplatten auch leichter verloren oder kaputt gehen, etwa durch Stürze, Temperaturschwankungen oder den Verschleiß der Stecker. Auch müsse die Sicherung mit diesen Speichermedien regelmäßig, manuell und in Eigenverantwortung durchgeführt werden. „Es ist und bleibt eine Abwägungssache, wie und wo Sie Ihre Daten speichern und sichern. Diese Entscheidung muss jeder für sich treffen“, so Werthmüller abschließend.

*Glossar

Backup [„bäk-ap“]: eine Sicherheitskopie der Daten von Smartphones, Computern und anderen Endgeräten

Systemkonfiguration: Einstellungen und Anpassungen von Hard- und Software in einem Computersystem

SSD: SSD steht für engl. Solid State Drive (gesprochen „solid stäit dreiv“, „Festkörper-Laufwerk“) und meint ein in Computern verbautes Speichermedium ohne bewegliche Teile. Dadurch können Daten nahezu verzögerungsfrei gelesen und geschrieben werden, da keine mechanischen Teile bewegt werden müssen.